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Predigt zum 17. Sonntag im Jahreskreis
- 26.07.2010 - Vater Unser Wir alle können das „Vater Unser“, das Gebet, welches Jesus hier seine Jünger gelehrt hat, auswendig.Wir alle können das „Vater Unser", das Gebet, welches Jesus hier seine Jünger gelehrt hat, auswendig. Können wir es wirklich beten?
Ich möchte es ein wenig durchbuchstabieren, um die Intentionen Jesu besser zu verstehen u. mit unserer jeweiligen Art des Vater-Unser-Betens
vergleichen zu können.
Zunächst wollen wir das am meisten gebrauchte Wort in den Blick nehmen:
9 mal kommt „Wir" oder „Uns, Unser" vor, 3 mal „Dein"
aber 0 mal „Ich" oder „Mein".
Bete ich das Vater Unser so, als ob statt „wir" und „dein" > „ich" und „mein" steht und bete es in meinen Anliegen – „Ja, dafür will ich noch ein oder zwei Vater Unser beten" - , so kann ich das natürlich tun, ja, es kann im Moment das richtige Gebet sein; aber es ist nicht das Gebet, das Jesus uns gelehrt hat.
Jesus möchte, dass wir uns als Gemeinschaft der Betenden verstehen,
die mit ihren gemeinsamen Anliegen zu Gott gehen,
darum 9 mal „wir, unser, uns"
Das geschieht gut erlebbar in erster Linie in der Gottesdienstgemeinschaft,
wenn wir da zusammen beten.
Auch zu Hause können wir mit der Kirche verbunden beten
und z.B. beim Morgengebet uns als ein Glied in der Kette derer verstehen,
die jetzt den Tag und die Welt Gott weihen.
Wer in Gesprächen offen die Freuden und Sorgen anderer wahrnimmt,
ihnen in sich Raum gewährt
und sich auch für Menschen in anderen Ländern interessiert,
auch schon über Papst und Bischof einiges gelesen hat, dessen „Wir-Gebet" wird lebendiger und erhält Farbe.
In wessen „Wir" auch die vielen Millionen Hungernde enthalten sind, der wird mit voller Kraft beten: „Unser tägliches Brot gib uns heute."
Jesus jedenfalls will, dass wir als Glieder einer Gemeinschaft
oder - besser noch - miteinander beten
entsprechend dem Jesuswort, das wir gesungen haben: „Wo 2 oder 3 in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen."
So beten, wie Jesus es uns gelehrt hat, bedeutet den eigenen Horizont weiten auf die Mitmenschen hin, wobei in dem Wort „Vater Unser" von selbst steckt, dass wir als Kinder des einen Vaters unter einander Brüder und Schwestern werden.
Solches Beten kann uns helfen, zu einer Familie zusammenzuwachsen.
Die zentrale Botschaft unseres Papstes beim Weltjugendtag in Köln lautete:
„Wer glaubt, ist nie allein."
Ganz toll und sicher im Sinne Jesu ist es, wenn in dem „Wir" unsere evangelischen Geschwister mit einbezogen sind. Das wird um so eher gelingen, je besser wir mit ihrer Art, zu beten und den Glauben zu praktizieren,
vertraut sind.
Die ökumenischen Gottesdienste leisten da einen wichtigen Beitrag,
damit wir uns als Kinder des einen Vaters und so als Geschwister erleben.
Ein Unterschied zwischen ihrer und unserer Art zu beten, dürfte Ihnen schon aufgefallen sein: Sie beten das Vater Unser nicht so schnell wie die Katholischen. Vermutlich kommt dadurch der Gehalt dieses Gebetes besser zum Tragen.
Also nicht nur Jesus lehrte uns das Vater Unser beten, auch von unseren evangelischen Geschwistern können wir es lernen.
A propos Gebetstempo: Als einmal in der Kirche das Vater Unser allzu schnell heruntergebetet wurde, sagte der Pfarrer, der übrigens auch in diesem Gotteshaus gewirkt hat:
„Wenn ihr so rasch einander vergebt, wie ihr „wie auch wir vergeben unsern Schuldigern" sprecht, dann dürft ihr weiter so schnell beten."
In der Zeit meiner Kindheit wurde das Vater Unser in der evangelischen Kirche anders gebetet wurde als in der katholischen. Ich bin froh, dass wir es seit etwa 50 Jahren im selben Wortlaut gemeinsam beten können.
Ich stellte zu Beginn fest, dass „Ich" in diesem Gebet nicht vorkommt, wohl aber 3 mal „Dein", womit ja Gott gemeint ist.
Um ihn soll es uns beim von Jesus angeleiteten Beten vor allem gehen,
um das Kommen seines Reiches und nicht um unser kleines Reich,
dass sein Wille geschehe, und weniger, dass unser Wille, unser Bedürfnis sich erfüllt, dass sein Name geheiligt wird u. weniger, dass wir bedeutender werden.
Während wir in diesem Sinn beten, richten wir ganz von selbst uns darauf aus, das Unsere beizutragen, dass er und seine Ziele an Bedeutung gewinnen.
In dem Gebet, das Jesus lehrte, - man könnte auch sagen, in dem Klassiker aller Gebete - steht 9 mal „wir" 3 mal „dein" aber 0 mal „ich".
Das ist sicher eine Herausforderung an unser Beten überhaupt, nämlich öfter „wir" zu sagen, uns als Gemeinschaft vieler Beter zu verstehen.
Es besagt aber nicht, das „Ich" sollte in unseren Gebeten keinen Platz haben.
Im Gegenteil, es ist eine wichtige Weise des Betens.
„Der Herr ist mein Hirte, ich erleide keinen Mangel" so beginnt der bekannte Psalm 23. Auch von Jesus sind eine ganze Reihe von Ich-Gebeten überliefert.
So z.B.„Mein Gott, wenn es möglich ist, lass diesen Kelch an mir vorübergehen.
Aber nicht mein sondern dein Wille soll geschehen."
Sicher ein Mustergebet, wie man in schwersten Nöten beten kann.
Zum Schluss noch einen Tipp, wie Sie auch mit dem Vater Unser beten können:
Wählen Sie eine Anrufung, also einen kurzen Satz aus diesem Gebet
und sagen Sie dann Gott, was diese Worte Ihnen persönlich bedeuten.
Ich wünsche uns allen, dass der Heilige Geist uns das eine oder andere
Geheimnis dieses kostbaren Gebetes aufschließt.
(Peter Altenstetter)
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