zum 17. Sonntag im Jahreskreis - C
über das Evangelium: Lk 11,1-13 (und 1. Lesung: Gen 18,20-32)
Thema: "Wie beten?"
Mit einem guten Bekannten machte ich einmal einen Spaziergang. Da wir über Privates miteinander reden konnten, riskierte ich eine persönliche Frage: "Sag mal, wie sieht das eigentlich bei jemand aus wie Dir, der voll in einem normalen Beruf steht und Familie hat: kannst Du es Dir eigentlich ermöglichen, täglich für Dich eine stille Zeit zu haben, in der Du zu Dir selber kommst? Oder ganz einfach so ausgedrückt: bei Dir, einem normalen praktizierenden Katholiken, kommt da das tägliche Gebet vor?" Die ehrliche Antwort: "Nein. - Die Fahrt im Auto über die Landstraße vom Arbeitsplatz nach Hause ist für mich die einzige Möglichkeit, die inneren Spannungen des Berufes abzubauen. Aber zu Hause stehen dann gleich die Kinder auf der Matte …. und …. und …. und …. - das einzige, was bei mir religiös im Laufe der Woche stattfindet, ist die Sonntagsmesse - wenn die nicht auch noch ausfällt, weil ich mit unserem örtlichen Gesangverein in der evangelischen Kirche auftreten muss."
In diesem Fall wurde mir ein Verdacht bestätigt, der mich seit vielen Jahren plagte: das tägliche Gebet kommt noch weniger vor als der sonntägliche Kirchgang. Dann freilich begreife ich, wenn jemand Schwierigkeiten hat, mit der heiligen Messe für sich wirklich etwas anzufangen. Bei mir jedenfalls wäre das der Fall: die Feier in der Kirche lebt von meinem Gebet im stillen Kämmerlein.
Aus Erfahrung weiß ich: nicht nur der Gottesdienst hinge für mich sozusagen in der Luft, wenn ich nicht ein mehr oder minder regelmäßiges geistliches Leben führte, sondern mir selber ginge es innerlich so. Ich nehme mir täglich die notwendige stille Zeit nicht, weil ich muss, sondern weil ich will; nicht weil es irgendwo im Beichtspiegel stand, sondern weil ich es brauche.
Wenn bei Vier-Augen-Gesprächen das Thema "Gebet" berührt wird, drängt sich mir immer wieder der Eindruck auf: das Anliegen der Jünger Jesu im heutigen Evangelium ist eigentlich auch das nicht weniger heutiger Christen: "Herr, lehre uns beten!" -
Heißt denn "beten": Gott einen auswendig gelernten Text aufsagen oder aus einem Buch Sätze vorlesen, die andere sich ausgedacht haben? Heißt "beten", sich
krampfhaft zu überlegen: „Was könnte ich Gott wohl erzählen?"
Bei mir fängt beten damit an, dass ich …. auf mich schaue. (Ich halte das nicht für Egozentrik, sondern für entsprechend der Tatsache, dass ja ich es bin, der da beten will!)
Ich versuche wahrzunehmen: „Wer bin ich? - In welcher Verfassung bin ich gerade? - Was drückt mich, welche Wünsche erfüllen mich?" Und was ich da finde, kann ich ganz gut an den Stichworten des Vaterunsers aufhängen.
Da ist Thema „eins": dass ich das habe, was ich zum Leben brauche Essen und Trinken, die nötige Arbeitskraft und die richtigen Einfälle für die nächste Predigt, Schlaf und Erholung, die notwendigen Erfolgserlebnisse und sonstige erfreuliche Begebenheiten, die mir Auftrieb geben - also das, was Leib und Seele nährt, mein „tägliches Brot"
Thema Nummer zwei, das in mir nagt: ich bin manchmal schuld daran, dass es Menschen mit mir nicht gut geht; auch wenn das keiner bösen Absicht meinerseits entspringt. Ich habe zwar meine Vorstellungen, wie ich reagieren möchte auf das, was auf mich zukommt, und wie ich umgehen möchte mit dem, was da in mir drin ist und mich steuern will. Aber ich merke: Ich kann mir meiner gar nicht so sicher sein; ich werde dauernd in Versuchung geführt, anders zu sein, als ich es eigentlich gerne wäre.
Dass das so bei mir ist, stört mich. Somit bin ich bei der Frage: All das, was bei mir „Fehlanzeige" ist, wie mich mit diesen Seiten akzeptieren? Wie mir vergeben, dass man mir immer wieder etwas vorhalten kann?
Dritter Punkt: ich erlebe so viel Böses, im großen und im kleinen Rahmen, und wie wünschte ich mir, dass die Welt davon erlöst wäre. Denn leider sind Menschen oft nicht so, wie es gut wäre, und wie ich es gerne hätte. Und manchmal bin ich selber davon betroffen. Man hat das vielleicht nicht so beabsichtigt, aber mich belastet das. - Ich finde, das Leben bleibt mir manches schuldig - und das Leben, das sind die Menschen. - Also: da wäre durchaus einiges, das ich anderen zu vergeben hätte, auf dass ich ihnen gegenüber mich nicht weiter verschließe.
Bei all dem ist mir klar: so viele große und kleine Probleme gäbe es nicht, wenn es den Menschen um Gott ginge, wenn die Menschen, zu denen ich ja auch gehöre, Gott ernst nähmen, ihn heilig hielten: wenn Sein Name geheiligt würde.
Denn dann richteten sie sich nach dem, was Jesus als göttlichen Willen uns vor Augen gestellt hat, dann geschähe auch auf erdender Wille Gottes. Und es wäre gekommen das Reich Gottes.






