Die nächsten Gottesdienste
Mo. 06.09. , 18:30 Uhr
Büchig
Hl. Messe
Do. 09.09. , 16:00 Uhr
Seniorenheim Blankenloch
Hl. Messe
Sa. 11.09. , 18:30 Uhr
Spöck
Vorabendmesse
So. 12.09. , 09:00 Uhr
Büchig
Hl. Messe
So. 12.09. , 10:30 Uhr
Blankenloch
Hl. Messe
diese Woche
Die nächsten Veranstaltungen

Predigt zum 17. Sonntag im Jahreskreis

- 26.07.2010  -  Thema: "Wie beten?"

Mit einem guten Bekannten machte ich einmal einen Spaziergang. Da wir über Privates miteinander reden konnten, riskierte ich eine persönliche Frage:

Predigt am 25.7.2010

zum 17. Sonntag im Jahreskreis - C

über das Evangelium: Lk 11,1-13 (und 1. Lesung: Gen 18,20-32)

Thema: "Wie beten?"

 

Mit einem guten Bekannten machte ich einmal einen Spaziergang. Da wir über Privates miteinander reden konnten, riskierte ich eine persönliche Frage: "Sag mal, wie sieht das eigentlich bei jemand aus wie Dir, der voll in einem normalen Beruf steht und Familie hat: kannst Du es Dir eigentlich ermöglichen, täglich für Dich eine stille Zeit zu haben, in der Du zu Dir selber kommst? Oder ganz einfach so ausgedrückt: bei Dir, einem normalen praktizie­renden Katholiken, kommt da das tägliche Gebet vor?" Die ehrli­che Antwort: "Nein. - Die Fahrt im Auto über die Landstraße vom Arbeitsplatz nach Hause ist für mich die einzige Möglichkeit, die inneren Spannungen des Berufes abzubauen. Aber zu Hause stehen dann gleich die Kinder auf der Matte ….        und …. und …. und ….  - das einzige, was bei mir religiös im Laufe der Woche stattfin­det, ist die Sonntagsmesse - wenn die nicht auch noch ausfällt, weil ich mit unserem örtlichen Gesangverein in der evangelischen Kirche auftreten muss."

In diesem Fall wurde mir ein Verdacht bestätigt, der mich seit vielen Jahren plagte: das tägliche Gebet kommt noch weniger vor als der sonntägliche Kirchgang. Dann freilich begreife ich, wenn jemand Schwierigkeiten hat, mit der heiligen Messe für sich wirk­lich etwas anzufangen. Bei mir jedenfalls wäre das der Fall: die Feier in der Kirche lebt von meinem Gebet im stillen Kämmerlein.

Aus Erfahrung weiß ich: nicht nur der Gottesdienst hinge für mich sozusagen in der Luft, wenn ich nicht ein mehr oder minder regelmäßiges geistliches Leben führte, sondern mir selber ginge es innerlich so. Ich nehme mir täglich die notwendige stille Zeit nicht, weil ich muss, sondern weil ich will; nicht weil es irgendwo im Beicht­spiegel stand, sondern weil ich es brauche.

 

Wenn bei Vier-Augen-Gesprächen das Thema "Gebet" berührt wird, drängt sich mir immer wieder der Eindruck auf: das Anliegen der Jünger Jesu im heutigen Evangelium ist eigentlich auch das nicht weniger heutiger Christen: "Herr, lehre uns beten!" -

Heißt denn "beten": Gott einen auswendig gelernten Text aufsagen oder aus einem Buch Sätze vorlesen, die andere sich ausgedacht ha­ben? Heißt "beten", sich

krampfhaft zu überlegen: „Was könnte ich Gott wohl erzählen?"

 

Bei mir fängt beten damit an, dass ich …. auf mich schaue. (Ich halte das nicht für Egozentrik, sondern für entsprechend der Tatsa­che, dass ja ich es bin, der da beten will!)

Ich versuche wahrzunehmen: „Wer bin ich? - In welcher Verfassung bin ich gerade? - Was drückt mich, welche Wünsche erfüllen mich?" ­Und was ich da finde, kann ich ganz gut an den Stichworten des Va­terunsers aufhängen.

 

Da ist Thema „eins": dass ich das habe, was ich zum Leben brauche ­Essen und Trinken, die nötige Arbeitskraft und die richtigen Ein­fälle für die nächste Predigt, Schlaf und Erholung, die notwendigen Erfolgserlebnisse und sonstige erfreuliche Begebenheiten, die mir Auftrieb geben - also das, was Leib und Seele nährt, mein „tägliches Brot"

Thema Nummer zwei, das in mir nagt: ich bin manchmal schuld daran, dass es Menschen mit mir nicht gut geht; auch wenn das keiner bösen Absicht meinerseits entspringt. Ich habe zwar meine Vorstel­lungen, wie ich reagieren möchte auf das, was auf mich zukommt, und wie ich umgehen möchte mit dem, was da in mir drin ist und mich steuern will. Aber ich merke: Ich kann mir meiner  gar nicht so sicher sein; ich werde dauernd in Versuchung geführt, anders zu sein, als ich es eigentlich gerne wäre. ­

Dass das so bei mir ist, stört mich. Somit bin ich bei der Frage: All das, was bei mir „Fehlanzeige" ist, wie mich mit diesen Seiten akzeptieren? Wie mir vergeben, dass man mir immer wieder etwas vorhalten kann?

Dritter Punkt: ich erlebe so viel Böses, im großen und im kleinen Rahmen, und wie wünschte ich mir, dass die Welt davon erlöst wäre. Denn leider sind Menschen oft nicht so, wie es gut wäre, und wie ich es gerne hätte. Und manchmal bin ich selber davon betroffen. Man hat das vielleicht nicht so beabsichtigt, aber mich belastet das. - Ich finde, das Leben bleibt mir manches schuldig  - und das Leben, das sind die Menschen. - Also: da wäre durchaus einiges, das ich anderen zu vergeben hätte, auf dass ich ihnen gegenüber mich nicht weiter verschlie­ße.

Bei all dem ist mir klar: so viele große und kleine Probleme gäbe es nicht, wenn es den Menschen um Gott ginge, wenn die Menschen, zu denen ich ja auch gehöre, Gott ernst nähmen, ihn heilig hielten: wenn Sein Name geheiligt          würde.

 

Denn dann richteten sie sich nach dem, was Jesus als göttlichen Willen uns vor Augen gestellt hat, dann geschähe auch auf erdender Wille Gottes. Und es wäre gekommen das Reich Gottes.

 

Was im Vater unser zur Sprache kommt, das geht innerlich mit mir um, das ist meine Wirklichkeit. Beten zwingt mich, sie wahrzunehmen. Denn beim Beten bin ich dann sozusagen wie einer, der das, was er bei sich findet, in die Hände nimmt und in einen Raum hineinträgt: ­in einen Raum, der so weit ist, dass nirgendwo Wände zu sehen sind. Im Geiste möchte ich in diesen unendlichen göttlichen Raum hinein­schreiten und dabei Schritt für Schritt loslassen und ablegen, was da meine Hände schleppen, festhalten, vielleicht sogar festhalten wollen. Dann ist es mir nach dem Beten wieder leichter ums Herz.

Freilich: ich hätte Schwierigkeiten, wahrzunehmen und anzunehmen, was da alles sich bei mir findet, wenn da nicht einer wäre, dem das nichts ausmachte. Wenn ich damit rechnete, deswegen abgelehnt zu werden an jener Stelle, die ich "Gott" nenne, dann würde ich nicht beten, nicht eine Minute. Ich käme doch nicht auf die selbst­mörderische Idee, mich in die Richtung zu wenden, die "Gott" heißt, wenn ich vor diesem Gott Angst hätte!

Wenn Jesus im heutigen Evangelium seine Jünger beten lehrt, rückt er gleichzeitig auch ihr Bild von Gott zurecht: "Wenn ich euch un­terstellte, ihr würdet eurem Kind eine Schlange geben, wenn es um einen Fisch bittet, oder einen Skorpion, wenn es um ein Ei bittet, dann wäret ihr tödlich beleidigt. Aber dass Gott euch Unheil schickt, weil er euch für eure Sünden strafen will, oder weil es ihm Pläsir macht, euch leiden zu sehen, das ist für euch ausgemacht. - Ihr könnt ja manchmal ganz schön boshaft sein. Und dann schließt ihr von euch auf Gott; bzw. ihr traut ihm zu, dass er mit euch in einer Art um­geht, wie ihr selber es nie fertigbrächtet. - Merkt ihr allmählich, wie borniert ihr seid?!"

Einen solchen Gott würde Jesus auch nicht mit "Vater" anreden. - Das Wunschbild von einem Vater ist doch einer, der immer eine so große Geduld hat, dass seine Kinder ihm ruhig auf die Nerven fallen können. So wie im Gleichnis des Evangeliums jener zudringliche Freund seinem Kumpel auf die Nerven geht mit seinem nächtlichen

 

Getrommel an der Türe wegen drei Laib Brot. So wie in der märchenhaften Ge­schichte

der heutigen Lesung Abraham Gottes Geduld strapaziert, indem er sich immer noch nicht zufrieden gibt; wie ein orientali­scher Kaufmann bei seinem Kollegen wieder und wieder versucht, den Preis zu drücken.


 

Wobei es natürlich keiner Erwähnung bedarf, dass Gott kein "Kollege" und kein "Kumpel" ist, sondern ob seiner Größe und Göttlichkeit schlechthin unbegreifbar. Aber dennoch: mit "Gott" meinen wir eine solche Nähe, dürfen wir eine solche Nähe meinen, wie zum besten Freund, ja noch viel mehr. Gerade das ist für mich das Frap­pierende, dass der Umgang mit jenem Unfasslichen namens "Gott" derart selbstverständlich sein kann, unkomplizierter noch als mit dem be­sten Freund.

 

Darum ist für mich das Beten auch völlig selbstverständlich und un­kompliziert. Denn es heißt für mich nichts anderes als: das an mich heranlassen zu wollen, was ist - nämlich: Gott ist der unendliche Horizont, in welchem ich stehe, immerfort. Und beim Beten will ich nichts anderes, als dass diese Wahrheit von meinem Bewusstsein Be­sitz ergreift.

Das genügt mir als Inhalt. Ich schätze, ich werde auch für den Rest meines Lebens keinen anderen Stoff brauchen. Und vielleicht auch nicht im Himmel! .....

 

                                                                                                          (Harald Niedenzu)

zurück zurück   |   Drucken Drucken   |   per Mail versenden per Mail versenden   |   nach oben nach oben