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Predigt zum 14. Sonntag im Jahreskreis
- 05.07.2010 - Jesu Boten „…Geht ohne Geld u. Vorratstasche als meine Boten zu den Leuten…Heilt die Kranken!“ „…Geht ohne Geld u. Vorratstasche als meine Boten zu den Leuten…Heilt die Kranken!"
Es klingelt – Sie öffnen - Vor Ihnen stehen zwei ärmlich gekleidete Personen. Aber sie schauen nicht aus, als würden sie leiden. So etwas wie Optimismus und Freude nehmen Sie auf ihren Gesichtern wahr. Beide haben ein aus Zweigen gefertigtes Holzkreuz an einer Schnur um den Hals gehängt.
Eine der beiden wünscht allen, die in Ihrem Haus wohnen Frieden im Herzen und untereinander.
Der andere beginnt zu erklären, falls hier im Haus oder in der Nachbarschaft jemand krank sei, könnten sie dort um Heilung beten. Das habe schon oft geholfen. Auch würden Sie gerne von dem erzählen, was ihnen Jesus geschenkt und aufs Herz gegeben hat und was er auch sicher auch den Bewohnern dieses Hauses schenken wolle.
„Haben Sie wenigstens eine Empfehlung vom Pfarramt oder sonst was Schriftliches?" wollen Sie wissen. Die beiden schütteln lachend den Kopf.
„Die sind sicher von einer Sekte" geht es Ihnen durch den Kopf.
Aber sie haben etwas, das Sie anspricht. Andererseits - dass die ganz ohne Gepäck reisen, macht sie doch wieder verdächtig.
„Braucht Ihr Geld? Habt Ihr Hunger?" – „Nein Geld brauchen wir keines aber zu essen schon. Am liebsten wäre es uns, wir könnten hier eine Woche lang wohnen. Dann könnten wir alle im Dorf besuchen und müssten uns nicht immer wieder neu um Quartier und Essen bemühen. Es reicht völlig, wenn Sie uns eine Matte für die Nacht hinlegen."
Wie die Geschichte bei Ihnen weiter gehen würde, müssen schon Sie erzählen.
Oder wären Sie sogar bereit mit den beiden von Haus zu Haus zu ziehen? Wenn
nicht, seien Sie froh, dass Sie nicht damals zu Jesu Jüngern gehörten sondern zu
den heutigen. Von H. Kohl stammt das Wort von der „Gnade der späten Geburt"
Auch damals war es so, dass die einen die Jünger aufnahmen und die anderen die Türe schlossen. Vielleicht waren deren Überlegungen ähnlich.
Und für eine Sekte, für eine Absplitterung von der jüdischen Religion,
wurden die Christen einige Zeit gehalten.
Sollten Sie – weil die beiden in ihren Äußerungen immer dreister werden – vorsichtshalber die Polizei anrufen, hier seien zwei Betrüger, denen man das Handwerk legen müsse, so würde es laufen wie damals. Schon gegen Jesus und später etwa gegen die Völkerapostel Paulus wurde die weltliche Macht zu Hilfe gerufen. Die Apostelgeschichte erzählt aber wiederholt, dass, nachdem man den Apostel aufgenommen hatte, noch in der Nacht alle im Haus sich taufen ließen und so für sie ein neues Leben begann.
Dass sich die Gestalt der Kirche in den darauf folgenden
Jahrhunderten stark verändert hat, brauche ich Ihnen nicht zu erzählen.
Stattliche Kirchen, stattliche Pfarrhäuser, Bischöfe, Päpste, die sich wie Fürsten kleiden und lange Zeit auch zugleich Fürsten waren. Alles gut durchorganisiert vom Vatikan bis runter zum Pfarrausschuss und dem Ministrantendienst. Kirchliche Krankenhäuser mit bester medizinischer Ausstattumg.
Auf diese Weise sucht man die Intentionen Jesu zeitgemäß und mit modernen Mitteln zu realisieren aber weit weg vom Stil des heutigen Evangeliums.
Aber – Gott sei Dank, möchte ich einfügen –wurde und wird da u. dort das eine oder andere Element genau so gelebt wie Jesus damals die Jünger anwies.
Vor 24 Jahren war das gleiche Evangelium dran. In Blankenloch hatten wir in den Wochen davor Leute gesucht, die jeweils zu zweit in Bezirken aufgeteilt alle Katholiken besuchen, um ihnen die Einladung zur Gemeindemission zu überreichen. Es sah erst düster aus, aber dann hatte sich doch eine stattliche Anzahl dazu bereit erklärt. Noch am Sonntagmorgen rief mich ein Ehepaar an: „Wir machen auch mit." Ich zählte auf der Liste: genau 72 Helfer. Eine Stunde später las ich in der Kirche vor: „Der Herr suchte 72 aus u. sandte sie zu zweit dorthin, wo er selbst kommen wollte." = gemeint wohl durch die Mission.
Das haute mich fast um. Nie habe ich das vorgelesene Evang. so wörtlich erlebt.
Als Franz v. Assisi unser heutiges Evangelium beim Gottesdienst gehört hatte, ging er anschließend in die Sakristei und ließ es sich noch einmal vorlesen. Dann rief er voll Freude: „Das ist es! Das ist meine Berufung! Das will ich leben!"
Sie wissen wie radikal er es in die Tat umsetzte und mit einer Schar von Bettelmönchen durchs Land zog. Unsere Kirche verdankt ihm viel.
Noch heute gibt es Klöster, wie etwa die der Klarissen, die fast ausschließlich von dem leben, was ihnen an Lebensmitteln z.B. mit fast abgelaufenem Datum gebracht wird. Sie nennen das: „Leben aus der Vorsehung."
„Heilt die Kranken!" In Peru, wo ganz viele Kranke sich keinen Arzt leisten können, bildet sich meistens nach der Hl. Messe eine Schlange von Leuten, die noch gesegnet werden wollen. Oft zeigen sie auf eine kranke Körperstelle oder halten ihr krankes Kind hoch und möchten dass das jeweils mit Weihwasser besprengt wird. Beim Segnen versuche ich meine Liebe zu diesem Menschen und auch mein eigenes Vertrauen in Gottes Heilungsmacht zu mobilisieren.
Man untersuchte, was denn der Grund ist, dass in China so viele Menschen gläubig werden. Die Erfahrung von Heilung durch Gebet wurde oft genannt. Auch hier haben Viele keine Möglichkeit zu medizinischer Versorgung.
„Esst und trinkt, was man euch anbiete, denn wer arbeitet hat ein Recht auf seinen Lohnt. Zieht nicht von einem Haus in ein anderes.
Ebenfalls in China in der Pfarrei Moujiaping, wo ich 6 Tage lebte, wird der Pfarrer jeweils für einen Monat von einer Familie verpflegt.
Ein Pfarrer bekommt ja in China kein Gehalt.
Diese Geschichten zeigen: Armut führt näher hin zum Erleben des Evangeliums.
Wir leben nicht in China, nicht in Peru u. auch nicht vor 2000 J.
Aber auch wir erleben: Wo Kopf und Hände leerer werden und unsere Schaffensmöglichkeiten geringer, kann Offenheit für Gottes Wirken wachsen.
Dieser Prozess vollendet sich, wenn wir einmal nichts mehr tun können,
als unser Leben ohne jedes Gepäck in seine Hände zu legen.
Peter Altenstetter , Pfarrer
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